Interview mit Jens Erlewein

Die Erlewein & Schulte GmbH hat mit dem Kauf von handys.net für eine der spektakulärsten Domainübernahmen im Jahr 2010 gesorgt. Wir sprachen im Chat mit “Abwrack-Affiliate” Jens Erlewein über den Projektkauf…v.a. aber über vollkommen andere Dinge…wie immer…


Affiliates.de: Hallo Jens!

Jens E.: Hallo Christian! Hi Mum!

Affiliates.de: Man munkelte, dass Ihr Euch aus der Affiliate-Szene zurückgezogen hättest. Wie kommt es, dass Du offenbar nach so langer Zeit wieder als Top-Affiliate Gas geben willst?

Jens E.: Mir war langweilig.

Affiliates.de: Jetzt mal im Ernst.

Jens E.: Im Ernst. Mir war langweilig. Wir haben in den letzten Jahren “Szene-Abstinenz” sowohl im privaten als auch im geschäftlichen und natürlich v.a. im sexuellen Bereich einige sehr sehr coole neue Dinge ausprobiert , aber die Zeit war reif mal wieder im Onlinemarketing ein Zeichen zu setzen und “Hallo” zu sagen und der Kauf von handys.net war eine coole Gelegenheit, um wieder eine vernünftige kritische Masse in einem spannenden Marktsegment zu erreichen. Umsatz und gute Deals sind im Affiliatemarketing nunmal direkt gekoppelt, was ja auch durchaus Sinn macht für beide Seiten, weil sonst die Transaktionskosten aus dem Ruder laufen würden.

Affiliates.de: Willst Du uns sagen, was Du unter “guten Deals” verstehst?

Jens E.: Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, verstehen wir unter guten Deals Direktanbindungen in den Private-Networks der Merchants oder der betreuenden Agenturen.

Affiliates.de: Du meinst damit, dass ihr ohne Netzwerke arbeiten wollt?

Jens: Genauso meine ich das. Wenn es möglich ist, sehe ich keinen Grund, warum wir das nicht tun sollten. Umgekehrt sehe ich eine Menge guter Gründe, warum wir direkt gehen sollten. Es sind neben der Option auf höhere Provisionen noch ein paar weitere wichtige Punkte mit Direktanbindungen verbunden.

Z.B. wird mein Kontakt zu den Merchants damit noch enger. Davon profitieren beide Seiten. Ich kann somit gezielter Daten anfordern und Gespräche auch direkt führen. Meine Erfahrung ist, dass alles, was nicht 08/15 ist bei den Netzwerken Probleme bereitet. Und das ist ja auch verständlich. Man kann dort nicht für jeden Partner eine Extrawurscht machen. Auch hier ist das Stichwort Transaktionskosten relevant.

Es entscheidet sich zwar nicht allein an diesem Punkt, wann man mit einem Netzwerk arbeiten sollte und wann nicht, aber die Transaktionskosten sollte man schon im Auge behalten (weil das ein wichtiger Punkt für die Merchants ist). Ich bin ja auch nicht pauschal gegen die Netzwerke. Bei kleineren umsatzschwachen Programmen bieten die Netzwerke nach wie vor eine sehr gute Lösung und dann sollen die auch ihren fairen Teil vom Kuchen abhaben.

Bei großen umsatzstarken Programmen möchten wir allerdings zusammen in Absprache mit dem Merchant und der Agentur entscheiden, was wir tun. Wir sind eigenständige Unternehmer. Genauso wie die Netzwerke ihre eigene Agenda verfolgen und uns das nicht immer gefällt, verfolgen auch wir unsere eigene Agenda und wir erwarten, dass unsere Entscheidungen ebenso akzeptiert werden, wie wir das auch tun müssen. Die Branche redet ja so gerne von Professionalisierung und Dynamik. Und dann muss man eben auch mal akzeptieren, wenn große Affiliates einen neuen Weg einschlagen.

Kleineren/mittelgroßen Affiliates würde ich empfehlen, sich zu einer Art Pool zusammenzuschließen, um die kritische Masse dann eben gemeinsam zu erreichen. Dann bleibt auch das Verhältnis von Transaktionskosten und Umsatz in einem guten Verhältnis (wenn das nicht der Fall ist, kriegt man keine Direktanbindung durch). Man sollte in die Position kommen, um auf “Augenhöhe” verhandeln und dann gute Entscheidungen treffen zu können. V.a. sollte man als Affiliate nicht immer alles akzeptieren, was einem vorgesetzt wird. Man kann viele Dinge verhandeln. Affiliates nutzen diese Chance teilweise noch viel zu selten.

Affiliates.de: Nachdem das Wort nun schon einige Mal gefallen ist: Kannst Du bitte für die nicht-BWLer da draussen KURZ erklären, was Du mit dem Wort “Transaktionskosten” meinst.

Jens: Bezogen auf unsere Problemstellung (die gelöffelte 69) kann man sagen, dass Transaktionskosten die Kosten sind, die bei einem Austausch (also der Transaktion) von Gütern und Informationen entstehen. Siehe auch Wikipedia oder hier. Ich wollte sowieso demnächst noch einen Bericht zur Institutionenökonomik auf einem unserer Blogs bringen - eigentlich finde ich patho-logisch.com oder affiliate-klinik.de dafür ganz gut geeignet. Ich gebe Euch dann Bescheid, wenn das Ding steht. Also der Bericht. Der wird aufzeigen, wie wir die Entwicklungen im Affiliatebereich in den nächsten Jahren sehen. Ich glaube, es werden ein paar sehr tiefgreifende strukturelle Änderungen und Probleme im Affiliatemarkting auf uns zukommen.

Affiliates.de: Welche Veränderungen / Probleme siehst Du?

Jens: Das Bier wird knapp.

Affiliates.de: Äh ja…danke für das Gespräch…

(Das Interview führte Christian Bornkessel)

Zur Erlewein & Schulte GmbH:
Die Erlewein & Schulte GmbH entstand aus der Erlewein & Schulte GbR, die seit ca. 1998 (es war ein sonniger Mittwochmittag) im Onlinemarketing aktiv ist. Die ersten erfolgreichen Sites waren Stadtportale wie stadtus.de. Inzwischen betreibt die Erlewein & Schulte GmbH eine Reihe von Websites und ist an Unternehmen wie z.B. der FORE!TITUDE GmbH (Golfmode) beiteiligt. Dipl.-Kfm. Elmar Schulte ist die arme Sau, die den obigen Vollpfosten den ganzen Tag ertragen muss. Jens Erlewein ist der Vollpfosten.

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